Kinderonkologie – Kooperation ist entscheidend

27.02.2018: Die Diagnose Krebs beim eigenen Kind ist ein Alptraum für Eltern. Jede Mama, jeder Papa möchte nur eines: Das Beste für das Kind. Das bedeutet, alles Menschenmögliche zu versuchen.

Primaria Haberlandt leitet die größte Kinder- und Jugendheilkunde Vorarlbergs. © lisamathis.at

Wenn der Teddybär neben dem Krokodil im Warteraum sitzt - im Auftrag der Kleinsten. © lisamathis.at

Drei große Bereiche sind jetzt entscheidend. Die psychologische Begleitung, die medizinische Versorgung und die Therapie. „Das Krankenhaus Dornbirn bleibt erster Ansprechpartner und übernimmt die Bereiche, die ganz nahe an der betroffenen Familie sind. Wie die psychoonkologische Begleitung sowie die feinfühlige und kompetente Vor- und Nachsorge“, betont Bürgermeisterin Dipl.-Vw. Andrea Kaufmann, „bei den notwendigen Therapien setzen wir wie bisher auf die Kooperation mit Innsbruck.“ Die Universitätsklinik als Tertiärzentrum Westösterreichs ist auf Kinderonkologie spezialisiert und verfügt auf Grund der höheren Fallzahlen über viel Erfahrung. „In Deutschland und in der Schweiz ist die Form der Versorgung mittels Fachzentren schon längst Standard“, so Vizebürgermeister und Krankenhausreferent Mag. Martin Ruepp.

Kinder und Jugendliche sind keine „kleinen Erwachsenen“. Sie erkranken an anderen Krebsarten als Erwachsene und benötigen daher eine speziell auf sie zugeschnittene, alters- und fachgerechte Behandlung und Betreuung. Nur so können zu Therapiebeginn alle bestehenden Heilungschancen ausgeschöpft und gleichzeitig behandlungsbedingte Nebenwirkungen und Spätfolgen auf ein Mindestmaß begrenzt werden. Die intensiven Behandlungsstrategien und langen Nachbeobachtungszeiten erfordern die enge Zusammenarbeit von Spezialisten, die sich auf die besonderen Bedürfnisse von Kindern und Jugendlichen eingestellt haben. Als Tertiärzentrum, also Zentrum der höchsten Versorgungsstufe für Westösterreich und Südtirol, übernimmt die Kinderonkologie Innsbruck die Chemotherapie von Patientinnen und Patienten aus Vorarlberg. „Dieses Modell der Zusammenarbeit entspricht den hohen internationalen Qualitätsstandards und hat sich mit den Zuweisern aus Nord-, Ost- sowie Südtirol bereits bestens bewährt“, erklärt Uni.-Prof. Mag. Dr. Thomas Müller, Klinikdirektor der Pädiatrie I in Innsbruck. Das Krankenhaus Dornbirn bietet – als externer Kooperationspartner von Innsbruck – hervorragende Strukturen für die medizinische Dauertherapie (zum Beispiel die orale Chemotherapie), die psychosoziale Betreuung und Routinekontrollen mit klinischen, laborchemischen sowie sonographischen Untersuchungen. Auch bei aktuellen Problemen und Komplikationen, zum Beispiel Fieber, bleibt das Krankenhaus Dornbirn der primäre Ansprechpartner.

Neuorientierung in der Kinderonkologie
Das Krankenhaus Dornbirn ist seit vielen Jahren die zentrale Koordinationsstelle für die Versorgung onkologisch erkrankter Kinder in Vorarlberg“, führt Gesundheitslandesrat Dr. Christian Bernhard an. Schon bisher war es so, dass die Planung und teilweise auch die Durchführung der Therapie sowie die Festlegung der erforderlichen Nachsorge für Kinder und Jugendliche mit onkologischen Erkrankungen in der Universitätsklinik in Innsbruck absolviert wurden. „Da das Erkrankungsspektrum der Kinder- und Jugendonkologie als ‚Seltene Erkrankung‘ einzustufen ist, sind auf solche Behandlungen in Österreich die Universitätskliniken für Kinder- und Jugendheilkunde spezialisiert“, betont der Landesrat. Der hohe Qualitätsanspruch an das jeweilige Zentrum ist aufgrund immer besserer Überlebensdaten konstant gestiegen. „Auch wenn die Wege länger sind, sind wir froh, mit der Universitätsklinik in Innsbruck einen guten Partner und mit dem Krankenhaus Dornbirn als Koordinationsstelle im Land, die bestmögliche und qualitativ hochwertige medizinische Versorgung für unserer Kinder gewährleisten zu können“, sagt Landesrat Bernhard.

Basisversorgung in Dornbirn
In Vorarlberg erkranken rund 10 Kinder jährlich an Krebs. „Die Diagnose Krebs ist immer ein Einbruch ins Leben und bei Kindern ist es ein besonders tiefer Einschnitt für die ganze Familie. Weil dieser Einbruch so plötzlich kommt, sind oft sonst gut funktionierende Bewältigungsmechanismen überfordert oder durch den Schock der Diagnose ausgeschaltet“, erklärt Priv.-Doz. Dr. Edda Haberlandt, die Leiterin der Kinder- und Jugendheilkunde am Krankenhaus Dornbirn, „Sinn unserer psychoonkologischen Behandlung ist es, dem Gefühl der Ohnmacht und Hilflosigkeit entgegen zu wirken. Sie zielt so auf eine Verbesserung der Lebensqualität trotz der Krebserkrankung.“ Die professionellen Teams im städtischen Krankenhaus übernehmen die Untersuchung, Begleitung und Vorbereitung der Kinder in der Vor- und Nachsorge. Die notwendigen Therapien wie Chemotherapien oder Knochenmarktransplantationen werden an der Universitätsklinik Innsbruck durchgeführt. „Dornbirn hat sich vor allem durch das Engagement von Dr. Bernd Ausserer, der 2016 als Primar zurückgetreten ist, etabliert. Seine Nachfolgerin Dr. Edda Haberlandt hat diesen Weg fortgesetzt“, erklärt Vizebürgermeister und Krankenhausreferent Mag. Martin Ruepp. Ein Zentrum in Vorarlberg mit den hohen Qualitätsvorgaben – unter anderem drei Fachärzte, die an 365 Tagen eine Versorgung bieten – wäre nach dem österreichischen Strukturplan Gesundheit (ÖSG) auch gar nicht möglich. Hier gewährleistet Innsbruck als Tertiärzentrum eine optimale Therapie nach neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen und eine fachkompetente Versorgung. So werden aktuell in Innsbruck sieben Kinder behandelt, das Team in Dornbirn betreut 45 junge und jugendliche Langzeitpatienten in der Nachsorge.