Stadtmuseum: Eine Ausstellung über Helden

04.10.2017: Eine Galerie über ganz besondere Menschen, beschrieben und aufgearbeitet in Portraits, wurde am 2. Oktober im Stadtmuseum Dornbirn eröffnet. Die „Galerie der Aufrechten“ zeigt Gesichter des Widerstandes gegen die NS-Gewaltherrschaft. Alle Portraits wurden von zeitgenössischen Künstlerinnen und Künstlern erstellt und stammen aus dem gesamten damaligen Reichsgebiet, zum Großteil aus dem deutschen Südwesten. Mit dabei ist auch das Portrait der Vorarlberger Krankenschwester Maria Stromberger, das von Künstlerin Alexandra Wacker aufgearbeitet wurde – eine Premiere. Begleitet wird die Sonderausstellung von Schulprojekten und zahlreichen Begleitveranstaltungen. Bis 12. November kann die Ausstellung besucht werden.

v.l. Antje Wagner (Grüne Bildungswerkstatt), Dr. Petra Zudrell (Leiterin Stadtmuseum), Atessa Sonntag, BA (Stadtmuseum), Uwe Hertrampf (Beauftragter Denkstättensekretariat Oberschwaben), Bürgermeisterin Dipl.-Vw. Andrea Kaufmann und Dr. Harald Walser (Historiker und Nationalratsabgeordneter).

Viele Besucherinnen und Besucher folgten der Einladung von Stadtmuseumsleiterin Petra Zudrell zur Ausstellungseröffnung der „Galerie der Aufrechten“. Die neue Hausherrin begrüßte und bedankte sich bei allen Beteiligten für die Unterstützung und Organisation der eindrucksvollen Schau. Neben Antje Wagner von der Grünen Bildungswerkstatt, erklärte Uwe Hertrampf, Beauftragter für das Denkstättensekretariat Oberschwagen das Projekt, das er gemeinsam mit dem Studentenwerk „WEISSE ROSE E.V.“ mit Sitz in Weingarten erarbeitet hat. Der regionale Bezug ergibt sich durch ein ganz besonderes Portrait, das der Vorarlberger Krankenschwester Maria Stromberger. Dem anwesenden Historiker und Nationalratsabgeordneten Dr. Harald Walser war es ein großes Anliegen, den Gästen die Biografie der erst lange nach ihrem Tod für ihre Tätigkeit gewürdigte Widerstandskämpferin Stromberger nahe zu bringen. Auch die in Bregenz und Wien lebende Künstlerin Alexandra Wacker war anwesend und stand für persönliche Gespräche zur Verfügung.

Über Maria Stromberger
 Stromberger wurde im Jahr 1898 in Kärnten geboren und wurde über ihre in Bregenz lebende Schwester als „Lehrschwester“ im Sanatorium in den dreißiger Jahren tätig. Sie wechselte in verschiedene Arbeitsstationen und hörte 1939 in einem Kärntner Lazarett von den Gräueltaten und Verbrechen in Polen. Über ehemalige Ausschwitz-Häftlinge erfuhr sie weitere Details und erahnte nur, was sich dort abspielen würde. Daraufhin ließ sie sich als Krankenschwester in das Konzentrationslager Auschwitz versetzen, mit folgender Begründung: „Ich will sehen, wie es wirklich ist, und vielleicht kann ich auch etwas Gutes tun“. Von den Gefangenen wurde sie „Engel von Ausschwitz“ genannt. Neben der Unterstützung mit abgezweigten Lebensmitteln half sie beim Schmuggeln von Briefen, Flugblättern und warnte die Häftlinge. Mit einer gefälschten Diagnose entkam sie nur knapp der Gestapo und wurde Anfang 1945 in ein Hospital nach Berlin gebracht. Nach Kriegsende wurde sie von der französischen Besatzungsbehörde im Internierungslager Brederis festgehalten, bis Aussagen ehemaliger Auschwitzhäftlinge ihre Unschuld klarstellten. Im Prozess gegen den ehemaligen KZ-Kommandanten Rudolf Höß sagte sie 1947 in Warschau als Zeugin aus. Herzkrank und von den Erlebnissen in Auschwitz gezeichnet, starb sie im Mai 1957 an einem Herzinfarkt.

Weitere Veranstaltungen zur Schau
Begleitet wird die Ausstellung von zahlreichen Nebenveranstaltungen. Gleich zu Beginn am 5. Oktober gibt es eine Preview-Lesung mit Schriftsteller Arno Geiger aus seinem Roman „Unter der Drachenwand“. Zwei Tage danach kann das Museum im Rahmen „Der langen Nacht der Museen“ bis 1 Uhr in der Früh besucht werden. Zu diesem Termin gibt es Führungen, Vorträge und Künstlerin Alexandra Wacker ist anwesend. Am 18. Oktober wird der Film „Die Blumen von gestern“ gezeigt und am 25. Oktober präsentiert Dr. Harald Walser den Rechtsextremismus-Bericht 2016. Zum Ausstellungsende laden Schülerinnen und Schüler mit verschiedenen Beiträgen zur Finnisage.

Terminübersicht:
Preview-Lesung mit Arno Geiger aus seinem im Frühjahr 2018 bei Hanser erscheinenden Roman „Unter der Drachenwand
Donnerstag, 5. Oktober, 19:00 Uhr
Raiffeisenforum Friedrich Wilhelm, Raiffeisenbank Dornbirn
Eintritt: 10 Euro Kartenvorverkauf im Stadtmuseum
Der im Jahr 1944 am Mondsee im Salzkammergut angesiedelte Roman bringt das ganze Figurenspektrum von Tätern, Opfern, Mitläufern, Außenseitern und Kriegsmüden des Zweiten Weltkriegs in einem vielstimmigen Panoptikum zusammen. Die Ausstellung kann an diesem Tag bis 18:45 Uhr besucht werden. Das Raiffeisenforum Friedrich Wilhelm befindet sich im 5. Stock der Raiffeisenbank Im Rheintal. Benutzen Sie bitte den Eingang in der Viehmarktstraße 2 oder den Zugang über die Stadtgarage.

ORF-Lange Nacht der Museen
Samstag, 7. Oktober, 18:00 bis 1:00 Uhr
Stadtmuseum Dornbirn
Führungen von und mit Schülerinnen und Schülern um 18:30 und 21:30 Uhr
Künstlerin im Gespräch: Die Künstlerin Alexandra Wacker spricht um 20 Uhr über das von ihr gestaltete Porträt der Maria Stromberger. Kurzvorträge zum Thema „Vorarlberger Gesichter des Widerstands“ ab 22:30 Uhr Andreas Paragioudakis (Akkordeon) und Florian King (Kontrabass) führen musikalisch durch den Abend.

Filmabend
Mittwoch, 18. Oktober, 18:30 Uhr
Stadtmuseum Dornbirn
Eintritt: frei
Schülerinnen präsentieren ihren Kurzfilm zum Ausstellungsthema, danach Spielfilm von Chris Kraus: „Die Blumen von gestern“, Deutschland/Österreich 2016, Länge: 126 Minuten, FSK: ab 12

„Ein großartig gespielter und bis ins Feinste inszenierter Film über die Institutionalisierung des Holocaust.“ Jury des 29. Tokyo International Film Festival

„Mit DIE BLUMEN VON GESTERN ist Chris Kraus ein meisterlicher Film gelungen, der stilsicher zwischen Komik und Tragik balanciert. Aberwitzig, anspruchsvoll, genial.“ Jurybegründung Thomas Strittmatter Preis