Onkologische Koordinationsstelle in Dornbirn

11.07.2018: „Zwei Ärztinnen werden demnächst im Rahmen der Ausbildungsrotation mit Innsbruck die Basisausbildung mit onkologischem Schwerpunkt beginnen. Für die Case-Managerin, die zukünftig die Begleitung der Familien durchführen wird, laufen die Bewerbungsgespräche,“ informiert Bürgermeisterin Dipl.-Vw. Andrea Kaufmann kürzlich über den aktuellen Stand rund um die onkologische Koordinationsstelle am Krankenhaus der Stadt Dornbirn.

Diese positive Entwicklung ist erfreulich. „Die Stadt hat und wird sich intensiv um den Erhalt der onkologischen Kompetenz als Anlauf- und Koordinationsstelle für die betroffenen Familien einsetzen,“ ergänzt die Bürgermeisterin. Der öffentliche Druck, der auf der Station lastet, ist dabei nicht hilfreich. „Leider mussten wir in den vergangenen Monaten einige personelle Abgänge bei den Ärztinnen verzeichnen, was nicht zuletzt auch auf die öffentlich geführten Diskussionen zurückzuführen ist. Was wir benötigen, ist eine konstruktive Zusammenarbeit aller Beteiligten,“ ergänzt Chefarzt Dr. Walter Neunteufel. „Die ständigen öffentlichen Diskussionen erschweren die Chance, neue Mediziner einzustellen.“

Ein gutes Vertrauensverhältnis zwischen Patient und Arzt ist die wichtigste Voraussetzung für die medizinische Therapie. Die Diskussionen rund um die Kinderstation in Dornbirn, die das Ärzte- wie auch das Pflege-Team in Dornbirn großem Druck ausgesetzt haben, waren dabei alles andere als hilfreich. „Die Sorgen und Ängste der betroffenen Eltern sind sehr verständlich und ich kann Ihnen versichern, dass wir alles mögliche unternehmen, die Betreuung der Familien in Dornbirn zu gewährleisten,“ ergänzt Bürgermeisterin Kaufmann. Für das Krankenhaus mit der größten Geburtenstation ist es erfreulich, wenn Mitarbeiterinnen Karenz anmelden. Zugleich ist es eine Herausforderung die dadurch entstehen freien Stellen nachzubesetzen, zudem auf Grund der intensiv geführten Diskussionen auch ein personeller Abgang zu verzeichnen ist. Vor dem Hintergrund dieses öffentlichen Drucks wird es noch schwerer sein, Kinderfachärzte insbesondere mit onkologischer Zusatzausbildung für Vorarlberg zu motivieren. Diese Sichtweise wird auch von Landesrat Christian Bernhard geteilt.

Die Bemühungen, neues Fachpersonal für das Krankenhaus zu gewinnen, werden dadurch sehr erschwert. „Es geht hier um die Frage, wer in einer solchen Situation diese große Aufgabe übernehmen möchte“, so Bürgermeisterin Dipl.-Vw. Andrea Kaufmann, die sich auch persönlich bei der Personalsuche engagiert, „wir tragen als Stadt auch Verantwortung für unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die sich täglich der Herausforderung stellen, eine bestmögliche medizinische wie pflegerische Versorgung bieten zu können. Wir möchten unser Team stärken und Ruhe in die Abteilung bringen, damit sie sich auf ihre Arbeit konzentrieren können.“

Landesrat Bernhard tritt für Besonnenheit und Einigkeit ein
„Die Stadt Dornbirn sowie das Land Vorarlberg sind seit Monaten höchst engagiert damit befasst, den Weiterbestand der onkologischen Anlauf- und Nachsorgestelle auf der Abteilung Kinder- und Jugendheilkunde in Dornbirn im Interesse der krebskranken Kinder und deren Familien zu erhalten und für die Zukunft zu sichern. Es beunruhigt mich sehr, dass die zahlreichen Interventionen und Diskussionen unser gemeinsames Ziel mehr behindern als fördern. In der Behandlung von krebskranken Kindern haben nur die behandelnden Ärztinnen und Ärzte die notwendige Expertise. Sie allein verfügen über die medizinischen Kenntnisse, um Behandlungen zu verordnen und Behandlungsabläufe festzulegen. Sie entscheiden über Risiken und Gefahren, denn sie allein tragen letztendlich dafür die Verantwortung. Es ist im Interesse aller Beteiligten, dass die Erhaltung der kinderonkologischen Versorgung am Stadtspital in Dornbirn, die bisher von allen hoch gelobt und auch der Wunsch der Weiterführung an mich herangetragen wurde, unterstützt wird und das bestehende System nicht durch unerfüllbare Forderungen gefährdet wird. Das Land, die Stadt und das Krankenhaus Dornbirn sowie die Universitätsklinik in Innsbruck unternehmen alles Mögliche, um Familien und Ihren Kindern die bestmögliche medizinische wie psychosoziale Versorgung zu gewährleisten. Aber letztlich liegt es ganz klar in der Verantwortung der Medizin zu entscheiden, was möglich ist und was nicht.“

Aktueller Stand der Maßnahmen
Neben der intensiven Personalsuche arbeitet das Krankenhaus Dornbirn gemeinsam mit dem Land Vorarlberg an den beschlossenen Maßnahmen. Ziel ist es, die medizinische Qualität in der Versorgung krebskranker Kinder sicher zu stellen. Folgende Punkte wurden gemäß dem vereinbarten Maßnahmenpaket vom 15. März 2018 in Arbeit genommen:

Beste medizinische Versorgung der Kinder im Interesse der kleinen Patientinnen und Patienten:
Die Experten der Uniklinik Innsbruck – eines der österreichweit drei onkologischen Zentren für Kinder in ganz Österreich – sind für die Patienten in Westösterreich die erste Anlaufstelle. Dort werden Diagnosen gestellt und Therapien festgelegt und verabreicht. Für die Betreuung und Nachsorge stehen am Krankenhaus der Stadt Dornbirn Ärzte und Pflege mit ihrer bewährten Qualität zur Verfügung. Zusatzausbildungen für Ärzte und Pflege sichern das vorhandene Wissen. In Dornbirn finden die Familien beste Betreuung und Begleitung. Chemotherapien werden derzeit in der Universitätsklinik Innsbruck durchgeführt.

Verstärkte Unterstützung der Familien: 
Derzeit werden Familien durch das „Onkoteam“ im psychosozialen Bereich sowie bei der Stellung von Anträgen und der Organisation von Terminen und Transporten unterstützt. Eine „Case-Managerin“ oder „Case-Manager“ wird die Familien zukünftig persönlich begleiten. Damit wird sichergestellt, dass jedes Kind mit einem entsprechenden Rettungsmittel zu den jeweiligen Behandlungen bzw. Untersuchungen geführt werden kann. Davon unberührt bleiben die Unterstützungsleistungen durch die Österreichische Krebshilfe, das Pflegegeld (Pflegekarenzgeld), die Familienhospizkarenz sowie die Zurverfügungstellung von Familienhelferinnen.

Ausschreibung von Fachärztin/Facharzt für Kinderonkologie:
Ausschreibungen finden sich sowohl auf Online-Plattformen, in einschlägigen Fachgesellschaften als auch in Ärztezeitschriften. Auch durch Direktansprachen wird versucht, Kinderonkologen für Dornbirn zu finden. Parallel arbeiten drei Head-Hunter Agenturen an der Rekrutierung. Es gibt sehr wenig ausgebildete Kinder-Onkologen in Österreich und diese arbeiten vorwiegend in den drei Zentren Österreichs. Eine oder einen dieser Experten nach Dornbirn zu holen ist sehr schwer und wird durch die andauernden öffentlichen Diskussionen nicht erleichtert.

Kinderonkologische Zusatzausbildung:
Das neue Ausbildungssystem für Ärzte wird die medizinische Nachsorge für krebskranke Kinder erleichtern. Anstelle einer mehrjährigen und hochspezialisierten Ausbildung können Kinderärzte zukünftig eine onkologische Modulausbildung an einem der drei Zentren Österreichs absolvieren. Die Ausbildung verschafft onkologische Basis-Kompetenz. Zwei Ärztinnen aus Dornbirn werden demnächst mit dieser Ausbildung in Innsbruck beginnen. Die Verträge dazu sind bereits unterzeichnet.