Generationen im Dialog

15.05.2018: Demenz löst Ängste aus, weil sich mit der Diagnose das Leben, wie wir es kennen, unwiederbringlich verändern wird. Dornbirn als „demenzfreundliche Stadt“ zertifiziert, widmet sich dem Thema mit regelmäßigen Veranstaltungen und Aktionen.

Wie kürzlich mit dem Projekt „Jung trifft Alt – Genuss mit allen Sinnen“. Das Schulprojekt mit den Schülerinnen der Fachschule für wirtschaftliche Berufe in Dornbirn Haselstauden hat sich intensiv mit dem Thema Alter, insbesondere Demenz, beschäftigt. Höhepunkt und zugleich Abschluss des Projekts waren zwei Nachmittage mit Dornbirner Senioren im Pfarrsaal Schoren. „Dornbirn gehörte zu den ersten im Land, die sich mit dieser Thematik beschäftigt haben. Im Rahmen der Aktion Demenz wurde besonders in den vergangenen fünf Jahren sehr viel bewegt. Die Integration von Menschen mit Demenz in das tägliche Leben und die Unterstützung von Angehörigen sind wichtig und ich bedanke mich bei allen Engagierten für ihre wertvolle Arbeit“, betont Bürgermeisterin Dipl.-Vw. Andrea Kaufmann.


Dass ein Nachmittag so eine große Wirkung haben kann“, davon war eine Schülerin beeindruckt. Beim Abschluss ihres Projekts „Jung trifft Alt – Genuss mit allen Sinnen“ verbrachten die Schülerinnen zwei Nachmittage mit Dornbirner Senioren. Gemeinsam wurden Blumen und Zweige zu kunstvollen Blumensträußen als Tischdekoration gebunden und in der Küche kleine Köstlichkeiten vorbereitet. Dabei entstanden zwischen den Generationen interessante Gespräche. Die erste Schüchternheit ist durch die Aufmerksamkeit und Zuwendung der Schülerinnen sehr rasch gewichen. Immer mehr Erinnerungen und Geschichten wurden mitgeteilt und das Lächeln immer deutlicher. „Alle waren dankbar! Ich habe das Gefühl, dass wir ihnen etwas Gutes mit diesem Projekt getan haben. Eine Dame sagt, dass sie den Tag nicht vergessen will, was mich sehr berührt hat.“ Begeisterung und Freude war auf beiden Seiten spürbar. Sogar ein paar Freudentränen waren dabei. Die Schülerinnen waren von den zwei Nachmittagen, an denen viele Lieder lautstakt gesungen wurden, beeindruckt. „Dieses fröhliche Miteinander fördert die Gemeinschaft“, betont Stadträtin Marie-Louise Hinterauer, „das Projekt traf wirklich alle Sinne aller Beteiligten!“


Fühlen sich wertgeschätzt
Während des gesamten Schuljahres wurden die Schülerinnen mit Fachvorträgen im Rathaus und einem Workshop speziell auf den wertschätzenden Umgang mit dementen Menschen vorbereitet. Sich auf das Projekt und den Menschen einlassen, das zeigte sich an dem Nachmittag mit Singen, Klatschen und Lachen. Die Einbindung in Alltagsaktivitäten und somit die Beschäftigung mit vertrauten Dingen sind zwei elementare Eckpfeiler in der Betreuung von Menschen mit Demenz. Dies vermittelt ihnen Sicherheit und Struktur. Sie fühlen sich wertgeschätzt und angenommen. Gerade Tätigkeiten, die langjährig ausgeführt wurden und automatisiert ablaufen, fällt Senioren mit einer Demenz-Erkrankung leichter.


Demenz eine Stimme geben
Dornbirn als Stadt engagiert sich gemeinsam mit zahlreichen Vereinen und Institutionen sowie ehrenamtlich Tätigen, Demenz eine Stimme zu geben. In den städtischen Pflegeeinrichtungen wurden Erinnerungsgruppen eingerichtet. Es sind Pflegestationen, die vor allem auf die Bedürfnisse von demenzkranken Bewohnerinnen und Bewohnern abgestimmt sind. Die Arbeitsgruppe hat sich außerdem engagiert dafür eingesetzt, das Thema „Demenz“ sowie Tipps und Anregungen im Umgang mit dementen Menschen in der Öffentlichkeit sichtbar zu machen. So werden beispielsweise regelmäßig Vorträge unter dem Motto „Rund um die Pflege daheim“ im Treffpunkt an der Ach veranstaltet. Beim Pflegeheim Höchsterstraße wurde ein sogenannter „Gedächtnisparcour“ installiert, „Spaziergänger“ begleiten Menschen mit Demenz in die Natur.