FLATZ Museum: „Die Kamera ist grausam“

09.04.2018: Am Freitag wurde die neue Ausstellung im Flatz Museum eröffnet. Sie verbindet erstmals drei weibliche Superstars der Fotografie, deren Bilder den Blick auf die menschliche Gesellschaft nachhaltig veränderten.

Dabei werden sensationelle Hauptwerke der Fotopionierinnen und starken Frauen unterschiedlicher Generationen von einem privaten Sammler ergänzt um Werke Goldins und ihre „Ballad of sexual Dependancy".

Es geht um das Andere, das Außergewöhnliche und Verfemte, um Außenseiter und Randfiguren und schon deswegen ist diese Ausstellung sehenswert. Die drei großen Fotografinnen Lisette Model, Diane Arbus, Nan Goldin hielten das gesellschaftliche Leben Amerikas, in dem sich als Einwanderungsland bis heute die Welt spiegelt, in unterschiedlichen Phasen des 20. Jahrhunderts fest. Sie interessierten sich für die sozialen Dimensionen des Zusammenlebens, für die Randfiguren der Gesellschaft, für außergewöhnliche Persönlichkeiten und Exzentrisches. Sie warfen mit ihrem Kameraauge einen ganz persönlichen Blick auf den Menschen und seine disparaten Lebenswelten und hinterfragten damit immer wieder die Gültigkeit des Normativen und der Konventionen. Diese Werke sind Zeugen einer Zeitspanne von drei Generationen, Zeugen von sozialen Entwicklungen. Es sind Werke, die bewegen.

Nicht zuletzt formulierten Model, Arbus und Goldin aber den Dialog zwischen Fotografin und Porträtierten auf eigene Weise jeweils neu und verbanden das Dokumentarische mit dem Subjektiven. Wo Model sich nach der Emigration in die Vereinigten Staaten 1938 durch das Fotografieren mit einer heterogenen Gesellschaft und ihren unterschiedlichen kulturellen Ausformungen auseinandersetzte, interessierte sich Arbus vor allem für das „Andere, Surreale und Bizarre" im Alltag, für Außenseiterfiguren und Ausgegrenzte, das vermeintlich Hässliche und Abseitige und brach mit deren Darstellung künstlerische und soziale Tabus. Nan Goldin setzte anstelle des oft schonungslos distanzierten Blickes von Arbus Bilder voller Empathie und Verbundenheit mit Menschen und Szenen, denen Sie selbst zugehört. So gelangen ihr einfühlsame, oft intime Aufnahmen ihrer Freunde und auch von sich selbst. Die New Yorker Subkultur der späten 1970er und frühen 1980er Jahre, die von der LGBT-Community, AIDS und Drogensucht geprägt war, hat sie mit der rund 800 Aufnahmen umfassenden Ballad of Sexual Dependency in einem eindringlichen Porträt festgehalten.

Nicht nur die Themen und die Zugangsweise zum Sozialen und Existentiellen verbinden diese drei außergewöhnlichen Fotografinnen, Model und Arbus begegneten sich nicht nur persönlich, sondern Models Arbeit war von großem Einfluss für Arbus. Arbus studierte bei Lisette Model in New York Ende der 1950er und begann kurz darauf als freie Fotografin einen eigenständigen Stil zu entwickeln. Das Werk von Nan Goldin lässt sich nicht ohne Arbus und deren Vorläuferin Model denken, auch wenn Goldin der Kühle von Arbus Bildern sehr distanziert gegenüberstand. Obwohl Werke von Model, Arbus und Goldin in verschiedenen thematischen Ausstellungen aufeinandertrafen, verbindet diese Ausstellung erstmals bedeutende ausgewählte Werke in einer exklusiven Zusammenschau der drei „Grandes Dames“ der amerikanischen Fotografiegeschichte.

Lisette Model, geboren 1901 in Wien, lebte, arbeitete und starb 1983 in New York City. Ausstellungen u.a.: Henri – Model – Arbus. Menschenbilder, Stiftung Situation Kunst, Bochum (2014); Kunsthalle Wien (2000); Museum of Modern Art, New York (1983); The Family of Man, Museum of Modern Art, New York (1955)

Diane Arbus, geboren 1923 in New York City, lebte, arbeitete und starb 1971 ebendort. Ausstellungen u.a.: diane arbus: in the beginning, Metropolitan Museum New York (2016); documenta 6 (1977); Museum of Modern Art, New York (1972); Biennale Venedig (1972)

Nan Goldin, geboren 1953 in Washington, D.C., lebt und arbeitet in New York City. Ausstellungen u.a.: The Ballad of Sexual Dependency, Museum of Modern Art, New York (2016/17); I’ll be your mirror, Centre George Pompidou (2001); Kunsthalle Wien (1998); Whitney Museum of American Art (1996)


„Die Kamera ist grausam“
Meisterwerke von Lisette Model, Diane Arbus, Nan Goldin


Ausstellungsdauer:
7. April bis 30. Juni 2018

Öffnungszeiten:
Freitag von 15:00 bis 17:00 Uhr | Samstag von 11:00 bis 17:00 Uhr sowie nach Vereinbarung

Kontakt: FLATZ Museum, Marktstraße 33, 6850 Dornbirn, Österreich T +43 5572 306-4839
E info(at)flatzmuseum.at www.flatzmuseum.at