Dornbirn auf dem Weg zur Kulturhauptstadt 2024?

27.02.2018: Dornbirn wird den Bewerbungsprozess zur „Europäische Kulturhauptstadt 2024“ gemeinsam mit Feldkirch, Hohenems, der Regio Bregenzerwald sowie weiteren Partnern in der Region fortführen und mit dem gemeinsamen Projektbüro „Kulturperspektiven 2024“ federführend vorantreiben.

Bregenz, Kultur vor Ort Ideen für Europa, © Udo Mittelberger

Der Beschluss der Dornbirner Stadtvertretung, der in der jüngsten Sitzung gefasst wurde, basiert auf umfassenden Vorarbeiten in den vergangenen Monaten. „Es ist eine einmalige Möglichkeit, unsere Region in Europa vorzustellen und Europa in die Region zu bringen. Diese Chance wollen wir nutzen und gemeinsam mit den Städten und Gemeinden im Rheintal sowie der angrenzenden Bodenseeregion Impulse setzen, die für unser Land nachhaltig spürbar sein werden,“ beschreibt Bürgermeisterin Dipl.-Vw. Andrea Kaufmann die Motivation zur Bewerbung. Das Projektteam rund um Bettina Steindl wird nun bis zum Jahreswechsel die Bewerbungsunterlagen erstellen. Die Entscheidung der Europäischen Kommission wird ein Jahr später fallen. „Die Region im Vierländereck ist geradezu prädestiniert dafür, ein grenzenloses Europa sichtbar zu machen, beziehungsweise aufzuzeigen, wie wir Grenzen gemeinsam überwinden können; zahlreiche Städte und Institutionen in Österreich, Deutschland der Schweiz und Liechtenstein haben ihre Unterstützung zugesagt,“ ergänzt Projektleiterin Bettina Steindl.

Im Jahr 2024 wird wieder eine österreichische Stadt die Gelegenheit haben, sich im europaweiten Schaufenster zu präsentieren. Neben den überzeugenden wirtschaftlichen Aspekten für die Region, sind es auch kultur- und gesellschaftspolitische Impulse, die sich sowohl in der Vorbereitung als auch im Jahr der Kulturhauptstadt positiv auf das Land und die Menschen auswirken werden. „Mit diesem Projekt wollen wir einen wichtigen Beitrag für eine nachhaltige und zukunftsorientierte Entwicklung, über Grenzen hinweg, leisten. Wir führen den Bewerbungsprozess weiter, weil wir der Überzeugung sind, dass wir mit dieser einmaligen Chance die Region und das Land stärken,“ ergänzt Bürgermeisterin Andrea Kaufmann. Der Beschluss, eine mögliche gemeinsame Bewerbung zu prüfen, wurde im Sommer 2016 von den Städten Bregenz, Dornbirn, Hohenems und Feldkirch gefasst. Nach den ermutigenden Ergebnissen der Vorbereitungen in den vergangenen Monaten geht es heuer um die Erstellung der Bewerbungsunterlagen.

Der Titel „Kulturhauptstadt Europas“ wird seit dem Jahr 1985 von der Europäischen Union vergeben und geht auf eine Initiative der damaligen griechischen Kulturministerin Melina Mercouri zurück. Eine Kulturhauptstadt soll „dazu beizutragen, den Reichtum, die Vielfalt und die Gemeinsamkeiten des kulturellen Erbes in Europa herauszustellen und ein besseres Verständnis der Bürger Europas für einander zu ermöglichen sowie der europäischen Öffentlichkeit besondere kulturelle Aspekte der Stadt, der Region oder des betreffenden Landes zugänglich zu machen“. Die Mitgliedstaaten haben im Rotationsprinzip die Möglichkeit, Städte zu nominieren. 2024 wird nach Graz und Linz wieder eine österreichische Stadt die Gelegenheit haben, sich vorzustellen.

Intensive Vorarbeiten in den vergangenen eineinhalb Jahren
Mit zahlreichen Projekten wurde in den vergangenen eineinhalb Jahren das Potential einer Bewerbung der Region geprüft. Dabei wurden sowohl die Städte und Gemeinden der Region, Interessensvertretungen, Kulturschaffende aber auch die Bevölkerung intensiv eingebunden. Bei fünf „Denkwerkstätten“, zehn „Dialogwerkstätten“, vier „Netzwerk-Treffen“ sowie zahlreichen anderen Gesprächen wurden eine mögliche Bewerbung diskutiert und Ideen generiert. „Die landesweite Beteiligung der Bevölkerung, insbesondere der Kulturschaffenden, ist in dieser Form einzigartig und eine wichtige Grundlage für eine spätere Bewerbung. Diese Vorgangsweise sowie die einzigartige Lage im Vierländereck unterscheidet unsere Bewerbung von möglichen anderen Mitbewerbern,“ ergänzt Bürgermeisterin Andrea Kaufmann.

Die wesentlichen Kriterien, die für den Zuschlag durch die Europäische Union ausschlaggebend sein werden, sind klar formuliert. Bereits im Bewerbungsprozess werden eine langfristige Kulturstrategie sowie ein klares Bekenntnis der Städte und Gemeinden zur Kultur gefordert. Der Titel „Europäische Kulturhauptstadt“ soll über die Netzwerke und Kooperationen langfristig und nachhaltig wirken. Die „europäische Dimension“ ergibt sich aus den länderübergreifenden Projekten und der Lage der Bodenseeregion. Ganz wesentlich ist die Beteiligung der Bevölkerung.

Im bisherigen Bewerbungsprozess wurden aber auch bereits konkrete Projekte umgesetzt. Unter dem Titel „Ich, Oma, Opa und Europa“ wurde anhand grenzüberschreitender Lebensgeschichten von Menschen, die in Vorarlberg leben die europäische Dimension unserer Gesellschaft sichtbar gemacht. Das Projekt wurde in Zusammenarbeit mit den Vorarlberger Nachrichten und den Vorarlberger Kommunalarchiven durchgeführt. Das Thema Grenzen wurde mit dem Projekt #Grenzmomente thematisiert. Vorarlbergerinnen und Vorarlberger beschreiben darin ihre persönlichen Grenzmomente auf Instagram. Das Ergebnis: eine Fotosammlung voll mit emotionalen und persönlichen Momenten von Grenzgängerinnen und Grenzgängen sowie verschiedene Blickwinkel über den Sinn oder Unsinn von Grenzen. Im Gymnasium Schillerstraße in Feldkirch wurde im Jahr 2016 eine Europaklasse gestartet. Das Ziel dieses Projekts ist es, Jugendliche in einen Diskurs zum Thema „Europa“ einzuladen. Impulse dazu kommen von Persönlichkeiten aus Geschichte, Philosophie, Wirtschaft und Politik im Rahmen von halbtägigen Workshops. Aktuell läuft eine länderübergreifende Ausschreibung von zehn STARTprojekten. Künstlerinnen und Künstler, Kreative, Denkerinnen und Denker, Visionäre, Gestalter, Initiativen, Organisationen, Vereine und Interessierte sind aufgerufen, Projekte zum Thema „Grenze(n)“ Staatsgrenzen, Gemeindegrenzen, persönliche Grenzen, Limits, Grenzen im Kopf oder die Überwindung dieser, einzureichen. Die Ausschreibung erfolgt europaweit. Für die Realisierung werden bis zu € 2.024 bereitgestellt.

Sichtbar werden soll der Bewerbungsprozess auch anlässlich des Europatags im Mai. Veranstaltungen dazu sollen in ganz Vorarlberg stattfinden. „Kultur Perspektiven 2024“ wird diese über eine gemeinsame Kommunikationsplattform präsentieren und damit das Augenmerk auf die europäische Dimension einer Kulturhauptstadt und künftige Vernetzungen legen. Mit dem Kulturhauptstadt Salon, der heuer im Frühjahr starten wird, bietet das Projektteam eine regelmäßige Diskussionsplattform zum Thema Kulturhauptstadt 2024. Der „Salon“ findet in schöner, ansprechender Atmosphäre statt und ermöglicht einen Diskurs mit dem Publikum „auf Augenhöhe” und unter offener Einbeziehung des Publikums. Der Salon ist ein offenes Format; Willkommen sind alle die sich für das Thema interessieren. Die Salons finden in den jeweiligen Städten an „places to be“ statt.  

„Mission Statement“ zur Bewerbung als „Kulturhauptstadt 2024“:

In eine Welt, in der das „Projekt Europa“ zunehmend in Frage gestellt wird, glauben wir, dass Kunst und Kultur dem entgegenwirken können und stellen uns eine Welt vor, in der das Miteinander in der Vielfalt gelebt wird. Die Bürgerinnen und Bürger aus dem Vorarlberger Rheintal und dem Bregenzerwald bilden einen polyzentrischen Ballungsraum im Herzen Europas, umgeben von Grenzen – nationalen, geographischen, aber auch gedanklichen.

Auf dem Weg zur Europäischen Kulturhauptstadt 2024 bieten wir den Menschen hier und in Europa einen experimentellen Raum für neue Denkweisen, Perspektiven und Lösungsansätze. Wir laden dazu ein, individuell und in der Gemeinschaft ein gutes (Zusammen-)Leben zu träumen und zu gestalten, mit der Chance, Identität in der Vielfalt zu finden.

In dieser Region wurde nicht zuletzt wegen der Geschichte und der geographischen Lage Fähigkeiten entwickelt, die es heute ermöglichen, im Spannungsfeld zwischen Groß und Klein mutig, lebendig und innovativ zu agieren. Die Bewerbung zur Europäischen Kulturhauptstadt 2024 ist die Chance, uns diese Werte wieder bewusst zu machen, sie zu stärken und unsere Erfahrungen im Kleinen mit Europa zu teilen. So setzen wir uns ein für ein grenzübergreifendes Denken und Handeln, heute und für die kommenden Generationen.