Austausch von Expertenwissen

13.05.2019: Darmkrebs zählt zu den häufigsten Krebserkrankungen. In Österreich werden jährlich rund 5.000 Neuerkrankungen registriert.

Praxisrelevante Vortragsreihe mit fünf Fachvorträgen v.l.n.r. Primar Matthias Zitt, Michael Jonas, Monika Ferlitsch, Felix Offner und Josef Holzinger © Werner Micheli

Zahlreiche Interessierte folgten den Vorträgen © Werner Micheli

Dabei hat sich die Prognose für die Patientinnen und Patienten mit dem sogenannten kolorektalen Karzinom auf Grund von Früherkennung, modifizierter Operationstechniken und wirkungsvollerer Bekämpfung von Metastasen in den vergangenen Jahren deutlich verbessert. In der praxisrelevanten Veranstaltungsreihe der Abteilung für Allgemein- und Viszeralchirurgie am Krankenhaus Dornbirn präsentierten fünf Vortragende den neuesten Stand zu den Themen Vorsorge, Klassifikation, chirurgische Therapie und Nachsorge bei den verschiedenen Formen kolorektaler Adenome und Karzinome. „Wissenschaft ist Teil der ärztlichen Tätigkeit und der Austausch von Wissen am aktuellsten Stand der Wissenschaft und Forschung wird von unserer chirurgischen Abteilung forciert. Mit diesem gebündelten Fachwissen ist unsere chirurgische Abteilung die Anlaufstelle bei Erkrankungen des Verdauungstrakts“, so Bürgermeisterin Dipl.-Vw. Andrea Kaufmann.

Bis zu 3.500 Patientinnen und Patienten in Österreich erkranken jährlich am kolorektalen Karzinom. Bei der Erstellung der Diagnose sowie bei der Therapie sind unterschiedliche Fachdisziplinen beteiligt. „Das kolorektale Karzinom ist sicherlich ein Paradebeispiel für eine gelebte Multidisziplinarität im klinischen Alltag – in allen Stadien der Erkrankung“, betont Dr. Matthias Zitt, der Leiter der Chirurgie, „mit unseren Abteilungsschwerpunkten Endoskopie, Kolorektale Chirurgie und Chirurgische Onkologie war das Ziel unseres Symposiums, auf die Wichtigkeit eines funktionierenden Netzwerks zwischen einer chirurgischen Abteilung und ihren Partnern im niedergelassenen Bereich sowie ihren Partnerfächern hinweisen.“ So konnten Neuerkrankungen um 20 Prozent durch Vorsorgekoloskopien reduziert werden. Dabei wird bei der Darmspiegelung die häufigste Vorstufe von Darmkrebs, der Polyp – auch als kolorektale Adenome bezeichnet – entfernt. Diese zunächst gutartigen Zellen haben eine hohe Neigung, sich in bösartige Tumore umzuwandeln. Etwa 90 Prozent der bösartigen Darmerkrankungen nehmen ihren Ausgang von einem solchen Polypen. Die Entwicklung zum Karzinom ist langsam und dauert etwa sieben Jahre. Wird in dieser Zeit der Polyp bei einer Darmspiegelung entfernt, kann der Krebs verhindert werden.

Austausch und Interdisziplinarität
Mit Vorträgen wurden beim Symposium im Krankenhaus Dornbirn die neuesten Erkenntnisse aus interdisziplinärerer Sicht präsentiert und anschließend darüber diskutiert und Informationen ausgetauscht. „Die ständige Erneuerung des chirurgischen Wissens, um dem ,best patient care‘ gerecht zu werden, ist genauso wesentlich wie die Fähigkeit, Interdisziplinarität zu kennen, zu verstehen und vor allem zu leben“, betont Dr. Matthias Zitt, der als Präsident die Österreichischen Gesellschaft der onkologischen Chirurgie (ACO-ASSO) vertritt, „auf Grund der eigenen, immer größer werdenden Spezialisierung innerhalb eines medizinisches Fachs, ist es immer wieder notwendig, sich mit Kolleginnen und Kollegen zu besprechen und auszutauschen.“ Zahlreiche Teilnehmerinnen und Teilnehmer folgten der Einladung und nutzen den kollegialen Austausch.

HIPEC-Methode als Chance
Besonders individuell abgestimmt muss die Behandlung im fortgeschrittenen Stadium – vor allem wenn der Darmkrebs bereits Metastasen gesetzt hat – erfolgen. Die HIPEC-Methode wurde als zusätzliche Therapie bereits vor vier Jahren in Dornbirn eingeführt. Sie ist eine Behandlungsoption bei Bauchfellkrebs, der auch Ausdruck eines fortgeschrittenen Krebsleidens im Rahmen einer Darmkrebserkrankung sein kann. „Die HIPEC-Methode kann eine Chance sein, wenn sich auf Grund der Befunde ein Vorteil für die Patientinnen und Patienten ergibt“, betont der Leiter der Chirurgie. Die Entscheidung, ob operiert werden soll oder nicht, ist selbst für ihn als Spezialisten keine einfache, aber alle potentiellen Fälle werden nach ganz exakten Kriterien geprüft. „Seit vier Jahren gehört Dornbirn zu jenen neun Zentren in Österreich, in denen diese Therapie zum Einsatz kommt. Das ist nur möglich, weil am Krankenhaus Dornbirn aus jedem Fachgebiet Experten mit langjähriger Erfahrung hervorragend zusammenarbeiten“, so Krankenhausreferent Vizebürgermeister Mag. Martin Ruepp.